2009 Patagonien

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Eine anspruchsvolle, ernst zu nehmende Neutour an der Poincenot in Patagonien.

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Wir, Roger Schäli und ich, waren am 13. November 2009 im Bus von El Calafate nach El Chalten unterwegs und der Fitz Roy erstrahlte im perfekten Wetter so königlich, dass man am liebsten niederknien möchte – Stress pur für jeden Patagonien-Bergsteiger, denn im Normalfall sollte man zu diesem Zeitpunkt bereits am Berg sein. Klar wollten wir gleich in El Chalten durchstarten und wenn nötig Laufen und Klettern bis zum Umfallen um bis zum Gipfel dieses Traumberges zu gelangen, doch zuerst hieß es erst einmal ankommen und dann Schritt für Schritt… jedoch ohne meine Bergschuhe. Diese waren nämlich noch irgendwo auf einem Flughafen in Südamerika. Not macht erfinderisch, und so standen wir 8h später mit Mietschuhen am Fuße des Fitz Roys. Das zunehmend schlechter werdende Wetter und der viele Schnee machten uns einen Strich durch die Rechnung und beendeten die erste chaotische Aktion ganz sanft und natürlich. Welcome to Patagonia – kann ich da nur sagen!

Vier Tag später und ein kurzes Eintageswetterfenster später kletterten wir bei winterlichen Verhältnissen die Poincenot über die Whilliams Route und eine sehr steile Linie an der Nordostwand der Poincenot stach uns das erste Mal ins Auge.

Mit viel Motivation stiegen wir Richtung Brecha de los Italianos auf mit dem Ziel über die California-Route den Fitz Roy zu erklimmen und in einem waren wir uns diesbezüglich einig: Bei so viel Neuschnee hätte man – wenn überhaupt – nur dort eine Chance den Gipfel zu erreichen. Tags darauf war es so weit: Fitz Roy, der Traum wurde zur Wirklichkeit und über die uns unbekannte Franco-Argentina Route ging ein abenteuerlich, langer Routetrip am König der Berge Patagoniens zu Ende.
Mit schlechtem Wetter im Rücken düsten wir in unser „Basislager“ nach El Chalten zurück, doch trotz Gipfelsieg, die steile Linie an der Poincenot ließ uns nicht ruhen. Während den nicht viel weniger anstrengenden Trilogietagen in El Chalten „Chocolateria – Bouldern – Cerveceria“ versuchten wir mehr über diese steile Linie an der Poincenot in Erfahrung zu bringen. Die Information, dass sie noch jungfräulich war, schlug bei uns wie eine Bombe ein und von da an war es für uns glasklar, wie wir das nächste Schönwetterfenster nutzen werden: Anfangs folgten wir der 45° steilen Rampe der Whilliams-Route der Poincenot bis wir dann schließlich in gerader Linie Richtung Headwall kletterten. Auf einer exponierten Kanzel platzierten wir unser Zelt, welches wir zu Recht „Hotel Chaos“ nannten, mit einem Fuß in der Luft. Folgendes galt es nun zu überwinden: eine 20m hohe, glatte Platte, der wir mit zwei Cliffs das Fürchten lehrten, und ein gut ausgeprägtes Risssystem am Ende dieses Panzers, welches die Bekanntschaft mit unseren kleinen „Freunden“ (friends) machte. Nach vier Tagen harter Arbeit, zerfetzten Ärmeln vom Off-Width-Riss und stumpfen Steigeisen wehte uns dann endlich der Gipfelwind um die Ohren: „Fühl dich stark aber nicht unsterblich“ – 600m/A3+/6c/M5 – eine anspruchsvolle und Ernst zu nehmende Neutour im guten Stil war geboren!

Zur Krönung und zum Abschluss kletterten wir die wunderschöne Route „Red Pillar“ am Mermotz…und nunmehr blieben mir folgende, dankende Abschlussworte: See you next year, my Patagonia….

 

Impressionen der Expedition

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