2015 Alaska

Blackroses_TB - 1

Neues am Devils Paw

Gemeinsam mit meinen langjährigen guten Freund Roger Schäli und Heli Putz reiste ich im Mai 2015 nach Juneau, der Hauptstadt Alaskas. Als mich Roger knapp 2 Monaten zuvor fragte ob ich Zeit und Lust hätte, mit ihm ein neues Projekt am Devils Paw zu versuchen, konnte ich nicht widerstehen. Es war bereits einige Zeit vergangen seit dem ich mit Roger gemeinsam unterwegs war und so freute ich mich auf eine schöne Zeit mit ihm.

Auf nach Alaska

Von Juneau erreichten wir mit einem 20-minütigen Flug über die wunderschöne weiße Gletscherlandschaft unser Ziel, wo wir unseren Lagerplatz einrichteten. Wir waren beeindruckt von der Nordwest-Kante des „Devils Paw“ und beschlossen noch am Nachmittag den Einstieg zu erkunden und die ersten Meter zu klettern. Nach einer gemütlichen Stunde Skitour erreichten wir den Bergschrund, wo zugleich auch die Kletterei startete. Über eine brüchige Felsrinne gelangten wir direkt auf den Grad. Nach ungefähr 150 Metern leichter Kletterei beschlossen wir unsere Erkundungstour zu beenden und zum Lager abzusteigen.

„Black Roses“ am Devils Paw

Nach einer sternenklaren Nacht begrüßte uns dann ein neuer Tag. Wir setzen unser Projekt wieder fort und planten die formschöne unbestiegene Kante in zwei Tagen zu durchsteigen. Da wir das zu tragende Gewicht auf ein Minimum reduzierten, nahmen wir zum Biwakieren nur ein kleines leichtes Zelt mit und ließen die Schlafsäcke zurück.

Über Blockgelände erreichten wir schließlich den Einstieg des Pfeilers. Nun ging es mit der Kletterei richtig los. Immer wieder mussten wir abwägen und erkunden welcher Weg uns am besten nach oben führen würde. Im Zickzack stiegen wir durch Risse und Verschneidungen weiter auf. Der Seilerste musste dabei auf die losen Gesteinsbrocken, die teilweise die Größe eines Kühlschrankes hatten und nur darauf warteten den Weg nach unten anzutreten, besonders achten um den Sichernden nicht in Gefahr zu bringen.

Am ersten Pfeilerkopf angekommen, gönnten wir uns eine Pause und besprachen den weiteren Wegverlauf der Route. Das erste Drittel der Tour hatten wir bereits hinter uns. Die Temperaturen waren perfekt und so kamen wir nach der Pause rasch voran. Ab der Mitte der Tour strahlte uns die Sonne vom wolkenlosen Himmel ins Gesicht. Da das letzte Stück der Kante mit Schnee und Eis bedeckt war, zogen sich immer wieder Wasserstreifen über den Fels. Diese erschwerten die Kletterei. Zwei Mal mussten wir einen kleinen Wasserfall queren, welcher uns einen eine schöne Dusche verpasste.

Als wir endlich den zweiten Pfeilerkopf erreichten, standen wir im Schnee und zugleich im leichteren Gelände. An einem geeigneten Plätzchen nutzen wir die Gelegenheit uns in der Sonne etwas zu trocknen und unsere Trinkflaschen aufzufüllen. Im durchnässten Schnee ging es dann weiter bis wir schließlich 120 Meter unter dem Gipfel beschlossen dort zu biwakieren. Wir gruben eine kleine Plattform, wo wir schließlich unser Zelt aufbauten. Ein märchenhafter Sonnenuntergang verabschiedete den Tag. Die Aussicht war grandios – wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Erst als es begann dunkel zu werden, zogen wir den Reisverschluss unseres Zeltes zu und wünschte uns ein „guits Nachtl“. Wir schliefen in feuchter Bekleidung, ohne Schlafsack – nicht besonders kuschelig. Kaum waren wir jeoch in den Schlaf gefallen, ging der Wecker ab. Es war 2:00 Uhr und langsam kamen wir etwas in Bewegung. Wir kochten das Wasser und gönnten uns ein richtiges Männerfrühstück: wir aßen unsere zwei letzten Riegel und azu Gummibärchen, welche uns Heli mitgegeben hatte.

Kaum zu glauben – bis wir wieder startklar waren verstrichen 1,5 Stunden. Der Tag brach bereits an und so benötigten wir für die Kletterei keine Stirnlampen mehr. Ein langer Quergang nach rechts führte uns schlussendlich zu einem Kamin, welcher uns eine „Schwachstelle“ in der steilen Gipfelwand bot. Nach zwei Mixlängen standen wir am Gipfelgrad. Erstmals befassten wir uns mit dem Gedanken, es auch tatsächlich bis zum Gipfel zu schaffen.

Zurück in das Lager

Mit einer wahnsinnigen Freude, die uns auch ins Gesicht geschrieben war, standen wir dann schließlich kurze Zeit später auf dem höchsten Punkt und umarmten uns um 6:30 Uhr. Berg heil!

Da uns klar war, dass der Abstieg auf der anderen Seite des Berges auch anspruchsvoll sein würde und die Sonne bereits in die Osthänge strahlte, die wir nachher queren mussten, hielten wir uns nicht zulange auf den Gipfel auf. Wir stiegen die ersten 50 Meter rückwärts ab bis das Gelände steiler wurde und wir beschlossen uns abzuseilen. Nach 60 Metern abseilen, stiegen wir dann wieder gleichzeitig ab bis wir das untere ende des Aufschwungs erreichten und wir auf dem Gletscher standen. Vorsichtig versuchten wir den besten Weg durch die spalten zu finden bis wir schließlich in einer Sackgasse endeten. Eine 8 Meter hohe Spalte verweigerte uns ein Weiterkommen und so gab es nur eine Möglichkeit den Weg fortzusetzen. Wir vergruben einen mit Schnee gefüllten Sack oberhalb der überhängenden Kluft und seilten uns langsam ab. Nach einigen spannenden Schneebrücken standen wir wieder auf einen spaltenarmen Gletscherrücken, der es gut mit uns meinte. Wir kamen direkt an die Südost-Scharte, wo wir unseren weiteren Abstieg geplant hatten. Von oben konnten wir nicht einsehen ob die Rinne bis zum unteren Wandfuß, in deren Nähe wir unser Lager errichtet hatten, führte. Wir wählten die einzige Abstiegsmöglichkeit und klettern die gefrorene Schneerinne langsam, seilfrei und äußerst konzentriert hinunter. Wir durften uns an dieser Stelle keinen Fehltritt erlauben. Kleine Steine, die die steile 800 Meter lange Rinne ungebremst hinunter fielen, veranschaulichten uns deutlich die möglichen Folgen eines Fehlers.

Das Gelände wurde steiler bis wir schließlich zwei Haken schlugen um uns daran abzuseilen. Nun setzten wir den Abstieg wieder über Schnee fort und erreichten nach weiterem Abseilen überglücklich den sicheren Boden. In diesem Augenblick war klar, das wir unser Projekt geschafft hatten. Mit einer tafel Schokolade wurden wir von unseren zwei Freunden Heli und den Local Ed empfangen.

Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich Richtung Devils Paw blickte und konnte es kaum glauben, dass wir ungefähr 6 Stunden zuvor auf dem Gipfel stehen durften!

Routeninformationen

Route: „Black Roses“

Erstbegeher: Roger Schäli und Simon Gietl am 18. und 19. Mai 2015

Charakter: Riss- und Verschneidungskletterei

Schwierigkeit: 6c/A1 M4

Absicherung: die Route wurde bis auf 2 Haken, welche in der Wand belassen wurden, ausschließlich mit mobilen Sicherungen abgesichert

Kletterzeit der Erstbegeher: 19h + 5

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